Die in der Schweiz vom Aussterben bedrohte Art lebte einst in Feuchtwiesen und nach deren Trockenlegung im Ackerland. Die Intensivierung der Landwirtschaft brachte den Kiebitz in der Schweiz fast zum Aussterben. Dank enger Zusammenarbeit zwischen Naturschützenden und Landwirten erhält der schillernde Vogel wieder eine Chance. Auch in Hettlingen war der Vogel mit dem hübschen Kopfschmuck einst zuhause.

Bereits im Februar treffen die ersten Kiebitze aus ihren Winterquartieren im Mittelmeerraum in der Schweiz ein. Ende März hört man die Balzrufe der Männchen. Der Name Kiebitz kommt von den Rufen: Kiwit it it kiwit. Kiebitze sind Koloniebrüter, das heisst mehrere Brutpaare brüten nahe beieinander. Damit können sie sich beispielsweise bei der Abwehr von Feinden gegenseitig unterstützen. Mit spektakulären Flügen versuchen die Männchen, die Weibchen zu beeindrucken.
Aus den vier Eiern schlüpfen nach etwa vier Wochen die Jungen. Früher wurden Kiebitzeier gesammelt. Reichskanzler Bismarck erhielt jedes Jahr zum Geburtstag 101 Kiebitzeier. Die plüschigen Kiebitzjungen gehen vom ersten Tag an selbstständig auf Suche nach Insekten und Spinnen, werden dabei aber von den Eltern bewacht und von Zeit zu Zeit gewärmt. Nach weiteren sieben Wochen sind die Jungen flügge.

Einst auch in Hettlingen
Früher war der Kiebitz in der Schweiz weit verbreitet. Auch in Hettlingen war der Kiebitz einst präsent: Eine Kolonie brütete im Hettlinger Baldisriet und galt als dessen Wahrzeichen. Doch als es 1948 zur Hälfte trockengelegt und in Kulturland umgewandelt wurde, verschwanden die Vögel. 1991 wurden zwar Brutversuche beobachtet, doch blieben diese erfolglos.

Fast ausgestorben
Auch in der übrigen Schweiz machte dem Kiebitz der Verlust seines Lebensraumes zu schaffen: Nachdem fast alle Feuchtwiesen, in denen Kiebitze ursprünglich brüteten, bis Mitte des letzten Jahrhunderts trockengelegt wurden, wichen sie aufs Ackerland aus. Dort wurden sie bald Opfer der intensivierten Landbewirtschaftung und des zunehmenden Pestizideinsatzes, so dass nicht nur ihre Brutplätze, sondern auch ihre Nahrung immer rarer wurden. Dies führte dazu, dass ihre Zahl von 1000 Brutpaaren in den Siebzigerjahren auf nur noch 83 Brutpaare im Jahre 2005 fiel.

Zusammenarbeit Landwirte und Naturschützende bringt die Wende
Vor circa 15 Jahren starteten daher BirdLife Schweiz und die Vogelwarte Sempach verschiedene Schutzprojekte zusammen mit Landwirten. Die Kiebitze werden nach dem Nestbau grossflächig durch Elektrozäune vor Füchsen geschützt. Nester werden markiert, bei landwirtschaftlichen Arbeiten werden sie zugedeckt und kleine Jungvögel eingefangen, damit weder Eier noch Jungvögel zerstört werden. Die Landwirte schaffen in den Wiesen ein Mosaik aus geschnittenen und stehengelassenen Grasstreifen, um den Jungen den Zugang zur Nahrung und Schutz gegen Feinde aus der Luft zu gewähren. Zudem werden Ackerflächen mit feuchten Stellen aufgewertet.

Wende und Hoffnung
Diese Schutzbemühungen leiteten eine Trendwende ein: 2018 gab es in der Schweiz wieder 206 Brutpaare, doch ist der Bestand noch zu klein, als dass er sich ohne Massnahmen erhalten könnte. Deshalb braucht es auch weiterhin eine gute Zusammenarbeit zwischen Landwirten und Naturschützenden, sonst verschwindet der Kiebitz ganz aus der Schweiz, und weitere Wiesenbrüter wie Braunkehlchen, Feldlerchen oder der Wachtelkönig könnten folgen.
Falls Sie diese faszinierenden Vögel einmal selber beobachten wollen: Die nächsten Kiebitzkolonien befinden sich im Neeracherried und in der Winkler Allmend / Winkel ZH.

Kiebitzküken Frauenwinkel 3

Jungvogel in Frauenwinkel, Bild aus "unser Bauer"

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